QiRoll Test

QiRoll Test – Reibrollenantrieb zum Nachrüsten eines E-Bikes

In diesem QiRoll Test erfahrt Ihr alles Wissenswerte zu Installation, Preis, Funktionsweise, Vor- und Nachteile, und ob der QiRoll empfehlenswert ist.

Was ist der QiRoll überhaupt?

Hierbei handelt es sich um um einen Reibrollenantrieb für das Fahrrad – also um einen Zusatzantrieb, um sein Fahrrad elektrisch anzutreiben. Quasi ein Antriebsmotor, um aus seinem vorhandenen Bike ein E-Bike (light) zu machen.

Warum ich mich für diese Art von (Zusatz-)Antrieb entschieden habe und ob er etwas taugt, könnt ihr hier lesen.

Eigentlich will ich kein E-Bike und ich bin fast schon entschiedener Gegner von E-Bikes! Warum? Ich habe zwei sehr gute Mountainbikes (Fully und Hardtail), die nach dem Kauf eines echten E-Bikes wahrscheinlich im Keller verrotten würden. Zudem sehe ich Radfahren als guten Ausdauersport und es ist die beste Möglichkeit, seine Kondition zu bewahren, oder zu verbessern. Außerdem habe ich großen Spaß an Biketouren. Warum ich E-Bikes so negativ gegenüber eingestellt bin, sind die Auswirkungen der letzten Jahre, als im Münchner Voralpenland der E-Bike-Tourismus so unglaublich angestiegen ist. Wenn vor 10 Jahren an einem schönen Wochenende vieleicht 5-10 Mountainbiker an einem der beliebten Mountainbikestrecken zu treffen waren, so sind es heute wahre E-Bike-Kolonnen. Es sind Massen unterwegs, und viele von ihnen, ohne Kondition, lassen sich mit dem E-Bike den Berg fast hochziehen und brettern hinterher ohne Rücksicht auf Wanderer, Pflanzen, Tiere den Berg wieder runter. Rücksichtnahme? – Fehlanzeige! Das hat natürlich massive Folgen für die Gegend und die Natur. Bei einigen beliebten Bergen sind bereits Überlegungen in Gange, diese für Biker komplett zu sperren.

Warum doch einen Antrieb?

Ich habe E-Bikes bei Freunden mehrmals testen können und ich muss zugeben, es macht einfach Spaß. Meine Frau, die eine nicht so große Kondition hat, kann inzwischen auch mit ihrem E-Bike bei schwierigeren Touren ohne Probleme mithalten. Und ein großer Vorteil ist natürlich, dass wir jetzt zusammen viel längere Touren unternehmen können.

Was ich mir für meinen Einsatzbereich gewünscht habe, war ein Antrieb, der mich nur etwas unterstützt, z.B. bei langen Strecken mit leichtem Anstieg oder bei Gegenwind. Mich stört es nicht, wenn ich bei einer Mountainbiketour einen 5 km steilen Anstieg habe. Wenn ich aber hinterher noch eine lange Strecke habe, die immer leicht bergauf geht, finde ich das manchmal etwas nervig. Ein Beispiel: wenn ich die Strecke von 35 km von Holzkirchen nach München fahre, habe ich ca. 200 m Höhenunterschied. Es geht Richtung München immer leicht bergab und so fahre mit meinem Rad ohne Antrieb mit ca. 30 km Durchschnittsgeschwindigkeit. Zurück schaffe ich mit Mühe 20 km/h und genau für solche Strecken habe ich mir oft einen Zusatzantrieb gewünscht, vor allem, wenn ich nach einem ausgiebigen Biergartenbesuch nicht mehr so topfit war. Außerdem bin ich eigentlich ein Genussradlfahrer mit mittlerer Kondition und sehe für mich Biken nicht als Hochleistungssport. Das Fahrrad ist für mich ein Fortbewegungsmittel für den Alltag, wo manchmal etwas Stromunterstützung sehr willkommen ist.

Inhalt

E-Bike zum Nachrüsten

Deshalb habe ich mich für eine Nachrüstung entschieden. Die Frage war nur – welche Art von Zusatzantrieb kommt in Frage?

Über einen Artikel in der Netzwelt habe ich mich über die verschiedenen Nachrüstkits erstmal grob eingelesen.

Kurz habe ich mit einem Hinterradantrieb mit eingebautem Motor geliebäugelt.

Hinterrad-Umbausatz

Ich habe mich ausführlich über den Bafang E-Bike Umbausatz für das Hinterrad (bzw. Vorderrad) informiert. Er ist einigermaßen weit verbreitet und man bekommt viel Informationen. Er hat überwiegend gute Bewertungen erhalten. Auf YouTube sind einige gute Installationsvideos zu sehen und zudem ist er je nach Auführung einigermaßen preiswert zu haben. Bei Nichtgefallen kann ich das Fahrrad ohne Probleme wieder zurückbauen.

Nachteile:

Gewicht: zusätzlich fast 10 Kilo (3-4 kg für das Antriebsrad / 5-7 kg für den Akku).

Preis: der Bafang-Umbausatz kostet ca. 450.- €, dazu kommt noch der Akku mit ca. 300.- €. Mit gesamt rund 750.- € komme ich zwar preislich deutlich günstiger weg, als mit einem neuen E-Bike. Aber für einen Kompromiss, das es ja schließlich ist, finde ich es einfach zu teuer.

Geschwindigkeitsbegrenzung: Ein wesentlicher Punkt ist auch die Geschwindigkeitsbegrenzung. Die meisten E-Bike-Fahrer sagen zwar, dass 25 km/h vollkommen reicht und man kann ja schneller fahren, dann aber ohne Motor. Das finde ich aber höchst unbefriedigend. Es stört mich, wenn der Motor bei 25 km/h abschaltet und ich dann aber fast 25 Kilo Gewicht vom Rad mitschleppen muss. Bei dem Bafang Umbausatz lässt sich zwar die Geschwindigkeitsbegrenzung ausschalten (bzw. gar nicht erst einbauen), das ist aber eine knifflige Entscheidung. Denn sollte man bei einer Kontrolle erwischt werden, oder gar einen Unfall haben, wird das richtig teuer und man bekommt ziemliche Probleme.

Mittelmotor-Umbausatz

Den Bafang-Umbausatz mit Mittelmotor habe ich ebenfalls in Erwägung gezogen. Er hat sehr gute Bewertungen, und die meisten Nutzer sind sehr zufrieden mit dieser Lösung. Letztendlich hat mich der Umbausatz dann aber doch nicht vollends überzeugt. Der Umbau ist etwas aufwändiger und man braucht auch Spezialwerkzeug. Der Preis ist mit ca. 750.- € auch nicht übermäßig günstig und das Gewicht ist mit ebenfalls ca. 10 kg schon sehr hoch. Da wäre ich wahrscheinlich mit einem neuen E-Bike, bei dem alles abgestimmt ist, besser bedient.

Reibrollenantrieb

Dann habe ich von dem sogenannten Reibrollenantrieb gelesen. Der Reibrollenantrieb ist eigentlich nichts Neues. Bereits in den Jahres 1946 bis 1988 war die Solex sehr popoulär und wurde millionenfach produziert. Bei der Solex wurde das Vorderrad mit einem klappbaren Zwei-Takt-Motor über eine Reibrolle angetrieben. Bis heute gibt es eine große Fangemeinde und es werden auch noch regelmäßig Solexrennen ausgetragen.

Vor einigen Jahren wurde der Reibrollenantrieb wiederentdeckt und es gibt bereits einige Hersteller, die auf dieser Technik aufbauen. So richtig populär ist eigentlich  nur der add-e. Da es dazu richtig viel Informationen gibt und die meisten Nutzer auch zufrieden sind, habe ich mich damit näher befasst.

Nachteile: Leider ist der add-e aufgrund des hohen Preises ziemlich schnell augeschieden. Fast 1.200 Euro kostet der Umbausatz - das finde ich zu viel für etwas Motorunterstützung. Außerdem kann der add-e  konstuktionsbedingt nur unten beim Tretlager montiert werden. Das kann Probleme im Gelände geben und der Antrieb unten ist außerdem Dreck und Matsch direkt ausgeliefert.

 

QiRoll - die Alternative zum Add-E

Als Alternative zum add-e habe ich einen vergleichbaren Antrieb bei AliExpress, einer chinesischen Plattform wie ebay oder Amazon, gefunden. Mit nachfolgenden Hersteller-Angaben hatte ich dann erst mal ein paar grobe Informationen.

Leistungsübersicht laut Hersteller

QR-E Mute-Doppelkupplungs-Booster

Elektronische Kupplung und manuelle mechanische Kupplung

Mute Tech Geräuscharm

Max. 260W Leistung (Continuous)

Standardreichweite (30 Meilen - B60i Hybrid-Modus )

Anwendbar Bikes: On-Road Bike, Off-Road Bike (Fahrt auf einer asphaltierten Straße), City Fahrrad

Add-E Alternative

Der QiRoll verfolgt ein ähnliches Prinzip wie der add-e. Er ist ein kleiner, leichter und dezenter Zusatzmotor mit Reibrolle, der von einer unauffälligen und leichten Batterie in Trinkflaschenform betrieben wird. Die Installation ist einfach und das Bike kann weiterhin auch ohne Motor wie bisher gefahren werden.

Das klang erstmal ziemlich gut und ich suchte weitere Informationen. Aber bis auf ein paar wenige Videos und kurzen, wenig aussagefähigen Kommentaren war nichts zu finden.

 

QiRoll Erfahrungsbericht

Warum der QiRoll?

Obwohl ich so wenig Informationen zum QiRoll Antrieb gefunden habe, kam er mir mit allen Angaben, die ich hatte, meinen Anforderungen am nächsten:

Er ist kostengünstig, hat ein sehr geringes Gewicht und ist schnell und einfach zu montieren. Es gibt keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Er hat einen günstigen und leichten Trinkflaschenakku. Der Antrieb ist klein und unscheinbar und ist kaum als E-Bike-Umrüstung zu erkennen.

 

QiRoll Rollenantrieb

Kauf, Preis, Lieferung

Also wagte ich es und bestellte den QiRoll bei Ali Express. Versendet wird dieser Artikel mit DHL Express und ich bekam sofort die Tracking Nummer, um die Lieferung zu verfolgen.

Preis

Der Antrieb kostete komplett mit dem stärkeren B70 Akku 290.- €. Dazu kamen Versandkosten für DHL Express in Höhe von 45.- €.

Die Lieferung dauerte nur 1 Woche, da kamen bei Übergabe noch die Kosten für den Zoll bzw. eine Kapitalbereitstellungsprovision (? - was immer das ist) von 43.- € hinzu.

Somit lag der Endpreis (Komplettsatz, Versand, Zoll) bei erschwinglichen 380.- €.

Ausgepackt

Das Paket enthielt den Motor, Montagematerial, Handschalter, Kabel, den größeren B70 Akku, Ladegerät, fotokopierte Anleitung auf Englisch.

QiRoll unboxing

Ich habe den Händler kontaktiert und mir ein PDF vom Manual schicken lassen, da es besser zu lesen ist und ich mir auch unverständliche Passagen bei Deepl übersetzen lassen kann.

Es gibt 2 Akkus zum Nachbestellen: den größeren B70 Akku mit 9,6 ah, Größe: 73mm x 210mm für ca. 145.- € und den kleineren B60 Akku mit 6 ah, Größe: 60mm x 190mm für ca. 100.- €.

Da bei der ersten Lieferung etwas schief gelaufen ist (Lieferung an falsche Adresse), habe ich vom Händler gratis ein Paket mit Ersatzrollen der Reibungsaufkleber mitgeschickt bekommen. Diese Aufkleber sind als Zubehör für ca. 17.- € erhältlich und sollten ca. alle 7oo bis 1200 km ausgetauscht werden.

Gewicht

Das Gewicht vom Motor mit Zubehör wie Montageplatten, Handschalter und Kabel beträgt ca. 800 Gramm, dazu noch der größere B70 Akku mit ca. 1000 Gramm. So ist mein Bike ist jetzt um ca.1,8 kg schwerer geworden. Was ich für einen zuätzlichen E-Bike-Antrieb wirklich sehr niedrig finde, im Gegensatz zu ca.10 kg bei anderen Nachrüstsätzen.

Installation

Ich habe mich für die Installation am Hardtail entschieden. Lieber wäre es mir zwar am Fully gewesen, aber das Bike ist dafür nicht geeignet, da sich der Abstand des Hinterrades durch die Federung verändert.

Da die fotokopierte Installations-/Bedienunganleitung bzw. das PDF nur bedingt brauchbar ist, habe ich mich lieber an das YouTube Installationsvideo gehalten: QIROLL QR-E installation English subtitles

Ich habe den Antrieb wie auf dem Video gezeigt erst unten, hinter dem Tretlager installiert. Die Montage war da zwar nicht schwer, aber beim ersten mal schon eine ziemliche Fummelei. Als der Antrieb unten montiert war, hat er zwar funktioniert, aber mir hat die Position des Motors nicht gefallen. Unten ist der Motor dem ganzen Dreck und Matsch direkt ausgeliefert. Ich hatte Angst, dass ich bei einer Fahrt in unbefestigtem Gelände mit dem Motor oder der Stellschraube, die schräg nach unten zeigt, an einer Wurzel oder einem großen Ast hängenbleibe. Das wäre weder für den Antrieb, noch für mich besonders gut.

Deshalb habe ich mich entschieden, den Motor oben, beim Oberrohr unterhalb vom Sattel zu montieren. Nachdem ich jetzt wusste, wie die Montage funktioniert, war der Antrieb innerhalb weniger Minuten befestigt. Der Rest war auch schnell erledigt: einen zweiten Trinkflaschenhalter montiert, Akku eingeschoben, Verkabelung (erstmal provisorisch) verlegt. Da das Batteriekabel ziemlich lang ist, musste ich es zweimal um Trinkflaschenhalter schlingen. Eine vernünftige Kabelverlegung mit wiederverwendbaren Klettkabelbinder und ev. Neoprenschutzhülle wird demnächst gemacht. Die richtige Position des Handschalters zu finden, war dagegen etwas schwieriger. Darauf werde ich aber später noch eingehen.

Wichtig zu erwähnen ist noch, dass man unbedingt einen geeigneten Reifen montiert hat. Da ich das bereits bei der Bestellung wusste, hatte ich mir schon mal den empfohlenen Schwalbe Hurrican besorgt. Mein vorheriger ziemlich grobstolliger MTB-Reifen wäre absolut ungeeignet gewesen.

Zeit für die Erstmontage

Montage unten: mit auspacken, überlegen, Video schauen, alles verstehen, rumspielen: ca. 1 Stunde.

Die zweite Montage oben ging natürlich wesentlich schneller, weil ich nur noch die Halteplatten für den Motor in die richtige Position bringen und den Antrieb festschrauben musste. Da brauchte ich ca. 5-10 Minuten.

 

QiRoll Reibrollenantrieb

Testfahrt

So war das nachgerüstete E-Bike fertig für eine erste Testfahrt.

Kurze Testfahrt - erste Fahreindrücke

Die Bedingungen für die erste Testfahrt mit dem QiRoll waren eher suboptimal - Nieselregen und zum Teil matschige und nasse Wege. Aber so konnte ich gleich feststellen, ob der Antrieb auch bei schlechten Straßenverhältnissen funktioniert. Aber erstmal musste ich mit der Funktionsweise des Antriebs klarkommen.

Funktionsweise

Bevor es losgeht muss erstmal die Stellschraube vom Motor angedreht werden, bis die Reibfläche gut am Reifen anliegt. Der QiRoll kippt nicht automatisch an und wieder weg. Er läuft permanent mit – entweder mit Unterstützung bei Betätigung des Gasgriffes, oder ohne Unterstüzung im Leerlauf ohne Widerstand. Wenn man das nicht will und der QiRoll auf einer längeren Strecke nicht gebraucht wird, kann man ihn in Sekundenschnelle mit der Stellschraube mit etwas Abstand vom Rad lösen.

Zum Einschalten drückt man den weißen Einschaltknopf am Handschalter einmal für Stufe 1 (blaue LED) oder ein zweites mal für die 2. Stufe - Turbo (rote LED).

Es gibt 2 Stufen: blau Normalmodus / rot Speedmodus. Gefühlt macht das einen großen Unterschied. Im Turbo-Modus ist der Antrieb spürbar besser. Das geht natürlich auf Kosten des Akkus und die Reichweite sinkt deutlich. Außerdem ist er dann etwas lauter, was aber nicht stört.

Die Motorunterstützung startet nicht automatisch wie bei anderen E-Bikes, wenn man anfängt zu treten, sondern sie geht ausschließlich über den Handschalter. Das heißt, wenn man angefangen hat zu treten, muss man den Hebel am Handschalter gedrückt halten. So lange der Hebel gedrückt bleibt, hat man Motorunterstützung. Wenn ich kurz zu treten anfange und den Handschalter betätige, läuft der Antrieb auch ohne weiteres pedalieren. So komme ich nur mit dem "Gasgriff" dann auf ca. 20 km/h  bei ebener Strecke.

Bei der ersten Fahrt war der Handschalter für mich etwas ungünstig angebracht und ich habe länger rumprobiert, wo die beste Position ist. Den Schalter habe ich jetzt am linken Griff so montiert, dass ich mit dem Zeigefinger ohne lästige Verdrehung des Handgelenks längere Zeit in entspannter Haltung den Hebel gedrückt halten kann. Die Postion ist allerdings ziemlich schwierig zu finden, da ich den Handschalter insgesmat zu klobig empfinde. Wenn der Schalter zu weit links am Griff montiert ist, komme ich mit dem Zeigefinger nur ungünstig an den Hebel - wenn er zu weit rechts montiert ist, wird es schwierig ohne weiteres an die Gangschaltung zu kommen. Da sollte der Hersteller unbedingt nochmal nachbessern und einen ergonomischen Schalter bauen. Was mir außerdem fehlt, ist ein Feststeller für den Antrieb. Mit der Dauer wird es unangenehm, den Zeigefinger immer am Hebel zu lassen. Ich habe das für mich so gelöst. dass ich den Knubbel vom Kabelbinder so gedreht habe, dass der Hebel beim runterdrücken hängenbleibt - zum lösen muss ich ihn dann wieder leicht vorziehen. Eventuell gibt es aus Sicherheitsgründen keinen Feststeller. Aber der QiRoll hat keine so unglaubliche Leistung, dass ich das Bike nicht mit eingeschaltetem Antrieb zum Halten bringe. Ich habe es sicherheitshalber getestet: wenn ich mit aktiviertem Antrieb eine Vollbremsung mache und auf der Bremse bleibe, dreht die Antriebsrolle durch.

Der QiRoll hat laut Hersteller eine sogenannte intelligente Kupplung. Das heißt, dass sich der Antrieb immer der jeweilgen Reifendrehzahl anpasst. Es ist anfangs ein etwas gewöhnungsbedürftiges Gefühl, da der Antrieb nicht mit voller Power einsetzt, sondern fast unmerklich. Manchmal dachte ich, der Antrieb ist gar nicht eingeschaltet, erst wenn ich vom Gashebel ging, spürte ich den Unterschied. Es ist vom Gefühl her etwa so: ich fahre erst ohne Unterstützung, dann schalte ich den QiRoll zu und es tritt sich deutlich leichter und ich werde etwas schneller - als ob man plötzlich angeschoben wird.

 

Weitere Testfahrten

Ich habe den Antrieb sowohl für Touren, als auch für normale Fahrten fast täglich im Einsatz. Ich musste mich erst daran gewöhnen, aber inzwischen macht er mir richtig Spaß. Ich habe ihn natürlich auch in unterschiedlichen Wettersituationen gefahren und musste feststellen, dass es da schon große Unterschiede gibt.

Bei nassen Straßen funktioniert er zwar, aber die Reibung und damit die Leistung lässt schon spürbar nach. Noch schlimmer wird es, wenn sich dann Dreck, Matsch, Blätter am Reifen ansammeln - da kommt der Antrieb dann schnell an seine Grenzen. Er wird dann auch unangenehm laut und rutscht immer wieder durch. Manchmal hilft ein kurzes Abwischen der Reibrolle mit einem Tuch, wenn dann aber nach kurzer Zeit wieder nichts geht, schalte ich ihn aus und klappe die Rolle vom Reifen weg.

Zu steile Anstiege mag der QiRoll auch nicht. Dafür hat er einfach zu wenig Leistung. Mal kurz ein Steilstück mit entsprechender Muskelunterstützung ist kein Problem. Aber um alleine mit dem QiRoll eine knackige Bergauffahrt oder eine Alpenüberquerung zu machen, ist er nicht geeignet.

Auf unbefestigten Forstwegen ist der QiRoll ebenfalls gut zum Einsetzen, aber je grober die Wege werden, umso ungeeigneter wird er. Bei Trial Pfaden würde ich ihn jedefalls nicht verwenden. Die beste Leistung bringt er auf Asphaltstraßen.

 

Reichweite Akku

zur Reichwerte lassen sich schlecht genaue Angaben machen, da der QiRoll ausschließlich über den Gasgriff zugeschaltet wird und ich die Unterstützung nur zu ca.10-20 Prozent nutze. Um ein ungefähres Ergebnis zu bekommen, bin ich einmal mit permanent zugeschaltetem Antrieb gefahren und bin auf folgende Werte gekommen:
Distanz ca. 25 km, Zeit ca.1 Stunde in der höheren Stufe. In der niedrigen Stufe ist die Reichweite deutlich weiter.

In einem Video wurde ein Diagramm eingeblendet, in dem folgende Werte für die Akkus im Dauerbetrieb angegeben wurden :

Distanz: B60 Akku: 9 km / B70 Akku: 21 km

Zeit: B60 Akku: 22 Minuten / B70 Akku: 47 Minuten

Diese Angaben sind aber nicht aussagekräftig, das der QiRoll nicht für den Dauerbetrieb gedacht ist.

Für meine bisherigen Touren bin ich mit einer Akkuladung immer gut ausgekommen. Ich habe mir jetzt trotzdem noch einen B70 Akku nachbestellt, damit ich für eine lange Tour mal einen in Reserve dabei habe.

Fazit

Was ist positiv / was negativ?

Der QiRoll Antrieb ersetzt kein vollwertiges E-Bike. Es ist eher so vergleichbar: wenn ein Segelboot mit einem Zusatzmotor nachgerüstet wird, ist es deshalb auch noch kein Motorboot. Aber so ein Zusatzmotor ist hilfreich bei Flaute, ungünstigem Wind und bei längeren Segelturns. Genauso ist es bei dem QiRoll: in bestimmten Situation ist es überaus angenehm, einen unterstützenden Antrieb zu haben. Und der große Vorteil ist: ich kann, aber ich muss nicht den QiRoll benutzen. Das Mehrgewicht von 1,8 kg fällt nicht weiter auf.

Im Pedelec-Forum haben etliche Leser kritisiert, dass die Reibrolle permanent anliegt und somit einen hohen Reifenverschleiß verursacht. Das kann bisher nicht bestätigen, die mitlaufende Rolle hat den Reifen nicht besonders stark beansprucht. Ich bin in ca. 4 Monaten etwas über 1500 km mit dem QiRoll gefahren, wobei an ca. 2/3 der Strecke der Antrieb am Reifen angelegen ist (mit und ohne Motorunterstützung) - und ich kann keinen frühzeitigen Verschleiß feststellen.

Was könnte man besser machen?

Auf jeden Fall den Handgriff. Besser wäre ein Daumen-Gasgriff (mit Feststeller).

Ein leistungsstärkerer Motor wäre auch wünschenswert, um damit auch längere Steilpassagen zu schaffen.
Wünschenswert wäre noch optional ein kurzes Batteriekabel (ca. 20cm).
Diebstahlsicherung für Akku. Beim abgestellten Rad kann jeder schnell mal den Akku aus der Halterung ziehen und mitnehmen. Deshalb habe ich mir die Ortlieb Diebstahlsicherung  bestellt. Die mitgelieferte habe ich Öse mit Superkleber unten am Akku befestigt und ihn so mit dem kurzen Stahlkabel und einem kleinen Schloss an der Halterung gesichert.

Postiv:

Sehr einfache Montage. Kein Spezialwerkzeug wie z.B. für den Ausbau des Tretlagers nötig. Inbus und Gabelschlüssel reicht.

Das Laufgeräusch ist sehr leise.

Zusammenfassung:

  • Günstiger Preis
  • Leicht zu installieren
  • Geringes Gewicht
  • Könnte für Bergstrecken mehr Leistung vertragen
  • Der Gasgriff sollte unbedingt geändert werden

 

Kann ich den Qiroll empfehlen?

Trotz einiger Nachteile ist der QiRoll für die richtige Zielgruppe sehr empfehlenswert. Ich bin bis auf das Handling mit dem Gasgriff sehr zufrieden und würde den QiRoll sofort  wieder kaufen.

Wenn man nur gelegentliche Motorunterstützung für sein Bike sucht, ist man mit dem QiRoll sehr gut bedient.

Der ideale Einsatzbereich ist eine trockene Asphaltstraße und Radeln bei starkem Gegenwind oder nicht zu steilem Anstieg.

2 Kommentare

  1. Matsuo
    • Klaus

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